„Google Glass“ im Test: Der Blick durch eine andere Brille

Ist sie nun des Teufels oder einfach nur ein nützliches Gadget? In dieser Woche hatten Abgeordnete der SPD-Landtagsfraktion die Gelegenheit „Google Glass“ zu testen –um anschließend fachkundig zu diskutieren.

 

Da fehlt doch was! Richtig, die Google-Brille ist eigentlich gar keine Brille. Sie hat zumindest keine Gläser. Stattdessen befindet sich außen am Gestell ein flaches Kästchen mit der Technik, die sich zur Datenübermittlung mit einem Handy verbindet. Vorne ist eine Kamera verbaut. Darüber hinaus gibt es ein kleines durchsichtiges Display ähnlich einem transparenten Legostein, auf dem (oder durch das) man sieht, was „Google Glass“ gerade so macht.

 

Abgeordnete und Google-Vertreter im Gespräch

 

Das kann Google-Glass

Die Brille reagiert auf Kommando: „OK Glass“ aktiviert das Wearable, das daraufhin auf seine Aufgabe wartet. Möglichst schnell hintereinander sollte man seine gesprochenen Wünsche platzieren. „Take a picture“ zum Beispiel. Gerne auch erweitert um „Send it to“. Derzeit nur in englischer Sprache hört die Brille am liebsten auf einen breiten amerikanischen Westküsten-Akzent. Weitere Anwendungsbeispiele: Google sucht gerne den Weg, beantwortet (natürlich) Fragen und lässt sich Nachrichten diktieren, die gleich auch auf diversen Wegen versendet werden können. Übrigens nicht zwingend nur über ein Android-Smartphone.

Mein Eindruck nach dem viertelstündigen Test: Für Brillenträger lohnt sich die bereits angekündigte Echt-Brillen-Variante, bei der auch tatsächlich Gläser mit Stärke verbaut werden. Dann lässt sich wahrscheinlich auch das Display besser ablesen, das praktischerweise nicht ins Blickfeld ragt. Aber man muss schon kräftig die Augäpfel nach oben rollen, um bewusst auf den durchsichtigen Baustein zu schauen. Danach ist das Teil ganz praktisch, hat man doch die Hände frei und kann das Handy stimmlich herum kommandieren. Dafür könnte man sicherlich auch jedes andere Wearable nehmen, wäre da nicht die Kamera, die mit ihren Fotos und Videos die Welt durch eigene Augen zu dokumentieren scheint.Google-Brille im Test

Bei unserer Präsentation ist das die meistgenutzte Funktion der Brille: „OK glass, take a picture“ und eine Sekunde später landet das Bild wie aus den Augen des Benutzers direkt aufs Display des angeschlossenen Smartphones. Womit wir bei einer der am meisten kritisierten Funktionen des„Google Glass“ wären.

Eins vorweg: Eine Gesichtserkennung in Echtzeit, wie von vielen befürchtet und zurecht kritisiert, wird es laut Google nicht geben. Der Internetriese will diese Funktionsmöglichkeit sperren – sowohl in der Brille als auch für mögliche App-Entwickler.

War noch die Frage nach dem Recht am eigenen Bild. Wenn mich jemand mit Kamera oder Handy direkt fotografiert, kann ich mich daraufhin wegducken oder ablehnen. Fotos mit der Google-Brille wären – so die gängige Meinung – unauffällig zu machen. Stimmt nicht ganz, denn wie beschrieben müsste ich dafür ein Kommando sprechen oder auffällig gestikulieren. In Kombination mit dem Trumm auf meiner Nasenspitze dürfte es also auch dem Letzten auffallen, sollte ich ein Foto von ihr oder ihm machen wollen. Ein Video indes kann ich unauffällig starten und so lange laufen lassen, dass mein Gegenüber nichts merkt. Aber mal ehrlich: Aus welchen Gründen auch immer man so etwas tun möchte, gibt es viel unauffälligere Methoden bzw. Kameras dafür. Eine Google-Brille braucht es dafür sicherlich nicht.

Aus meiner Sicht verhält es sich bei der Diskussion um „Google Glass“ wie bei der Frage eines scharfen Messers: Benutze ich dieses zum Schneiden von Brot, ist alles in Ordnung. Verletze ich einen anderen mit dem gleichen Messer, so ist dies eine Straftat und muss geahndet werden. Dafür gibt es Gesetze! Für mich als Teil der Legislative stellt sich deshalb die Frage, welcher Gesetze es zusätzlich bedarf, wenn die „Google Glass“ auf den Markt kommen. Wobei: Vieles von dem, was diese Brille im Gute wie im vermeintlich Bösen kann, können auch andere Wearables wie beispielsweise die „Samsung Galaxy Gear“. Die von diesen Geräten gesammelten Daten (so u.a. Standort, Bewegungsprofile) gehören generell abgeschottet von der Sammelwut kommerzieller Anbieter und der Geheimdienste. Das hat mit der Google-Brille weniger zu tun als mit gesundem Menschenverstand.

Am Ende, so ist meine Einschätzung, wird mehr als alles andere der Blick in die Allgemeinen Nutzungsbedingungen darüber entscheiden, ob die Nutzung der jeweiligen Wearables akzeptabel ist oder nicht. Mir persönlich ist die Brille zu sperrig und ich würde eine Armbanduhr als praktisches Wearable vorziehen – auch wenn diese die Killerfunktion des Fotografierens und Videofilmens nicht beinhaltet. Aber dafür eignet sich meines Erachtens auch eine ordentliche GoPro-Kamera sehr viel mehr, um die Unmittelbarkeit eines Augenblicks festzuhalten.

 

Gepostet vor 10th April von

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