Internet per Glasfaser: 5 Gründe jetzt zuzugreifen

Modem, ISDN, DSL und Glasfaser: In den vergangenen 20 Jahren hat sich viel getan an der Art und Geschwindigkeit mit der wir uns durchs Internet bewegen. Ich erinnere mich noch an den quälend langsamen Aufbau der wenigen existenten Internetseiten, die ich Mitte der 1990er Jahre über mein erstes Modem ansteuerte. Auch wenn es heute überall viel schnellere Verbindungen ins Internet gibt, fühlt sich das Internetsurfen im ländlichen Raum oft genauso an wie damals mit der kostenlosen CD-ROM von AOL.

Internet Glasfaser

Glasfaserkabel bringen nicht nur schnelles Internet sondern sehen dabei auch noch gut aus. (Bild: Groman123 via flickr)

Doch niemand will sich mehr abfinden mit ruckelnden Internetvideos und größeren E-Mail-Anhängen, die sich schwer hoch- oder herunterladen lassen. Auch an arbeiten im Homeoffice ist für viele Menschen nicht zu denken. Die Antwort des noch immer dominierenden Telekom-Konzerns ist das Vectoring, das aus alten Kupferlitzen technisch noch das allerletzte herausholt. Hybridtechniken (Erklär-Video bei YouTube), bei denen die Bandbreiten des Festnetzes mit mobilen Internetverbindungen verschmolzen werden, sind eine weitere Alternative, um vor allem im ländlichen Raum einigermaßen akzeptable Geschwindigkeiten anbieten zu können.

Staufreie Datenautobahnen benötigt

Doch was ist schnell? Aus heutiger Sicht bietet das Vectoring gefühlt die Geschwindigkeit eines getunten Golf GTI. Kein Wunder, sitzen die meisten Menschen auf dem Land zur Zeit noch in einem Golf I. Wie im richtigen Leben sollte man sich von dem scheinbaren Boliden aber nicht täuschen lassen: Schon bald wird der Rennwagen von der Überhol- auf die rechte Spur wechseln müssen – nämlich dann, wenn ihn die Glasfaser in Lichtgeschwindigkeit überholt. Künftig fordern immer mehr Dienste und Services, die übers Netz abgewickelt werden, Bandbreite. Telefon, TV, Smart-Home und das ganz alltägliche Surfen im Netz braucht künftig eine staufreie Datenautobahn, zumal jeder einzelne Dienst qualitativ immer hochwertiger wird und damit mehr Daten zieht. HD-Telefonie, 4K-Fernsehbilder, Datenmassen von Sensoren aus dem eigenen Haus und Internetseiten, die an Grafiken und Bewegtbildern nicht sparen werden zunehmend Standard für Anbieter und Verbraucher. Was, wenn ich diese nicht mehr darstellen kann, weil das Netz, an dem ich angeschlossen bin, in die Knie geht?

5 gute Gründe für Glasfaser jetzt

Diese Frage müssen sich aktuell nicht nur Bürgerinnen und Bürger aus meinem Landtagswahlkreis in Alpen, Sonsbeck und Xanten ganz dringend stellen. Dabei gibt es 5 gute Gründe, alles dafür zu tun, die eigenen vier Wände ans Glasfasernetz zu bekommen:

  1. Nichts ist schneller als das Licht! Insofern kann man die Frage, ob denn eine Investition in Glasfaser perspektivisch die richtige ist, ganz klar mit Ja beantworten. Die Datenübertragung in Lichtgeschwindigkeit wird nach heutigem Stand wohl die schnellstmögliche bleiben, während das Kupferleitungsnetz in absehbarer Zeit trotz aller Tuningversuche an Kapazitätsgrenzen stoßen wird. Mit Glasfaser ist es jetzt schon technisch möglich Geschwindigkeiten von 40 Gigabit zu übertragen. Das entspricht 2500x DSL 16.000. Selbst mit G-fast, dem Nachfolger vom VDSL-Vectoring, ist nach aktuellem Stand bei 500 Mbit (~31x DSL16000) Schluss!
  1. Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder: Dass eine Firma an die Tür klopft, um Häuser ans Glasfasernetz zu bringen, ist auf absehbare Zeit das erste und einzige Mal. Danach wird man sich mit dem begnügen müssen, was die Telekom aus ihren alten Kupferleitungsnetzen durch so genannte Hybridtechniken auszuquetschen vermag. Nachvollziehbar, dass das einstige Staatsunternehmen gerne das Maximum aus dem herausholt, was es hat. Wer schon alle Menschen am Netz hat, wird den Teufel tun und ein zweites teures(Glasfaser-)Netz daneben legen.
  1. Für Hauseigentümer ist die Glasfaser so wichtig wie ein Wasser- und Stromanschluss. Schon vor fast zwei Jahren hat sich ein Hausbesitzer aus dem ländlich gelegenen Rheinberg-Eversael an mich gewandt. Sein Problem: Die wunderschöne Einliegerwohnung mit Balkon und Blick auf Feld und Wiesen lässt sich nicht mehr vermieten. Dass kein Nahversorger im Ort ist und die nächste Autobahnauffahrt zig Kilometer entfernt, nahmen potenzielle Mieter gerne in Kauf für das ländliche Idyll. Aber sich mit geringen Internetbandbreiten zufrieden zu geben – das wollte kein einziger Interessent.Insofern gehört schnelles Internet künftig zur nachgefragten Grundausstattung eines Wohngebäudes. Wer das nicht bietet, muss bestenfalls seine Mietpreisvorstellungen reduzieren. Wenn’s dumm läuft, bleibt die Immobilie unvermietbar und letztlich auch unverkäuflich. Der Glasfaserausbau ist also eine Investition in den Werterhalt der Immobilie und die Chance auch künftigen Generationen ein Leben auf dem Land attraktiv zu machen.
  1. Die staatlichen Fördermöglichkeiten sind umfangreich und vielfältig wie nie. Das ist ja auch der Grund, warum sich aktuell so viel bewegt und auch die Telekom unter ihrem Stein hervorgekrochen ist, um mit ihrem Vectoring-Angebot möglichst viele Kunden an sich zu binden, während Anbieter wie die Deutsche Glasfaser ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt haben. Der Markt ist ordentlich durchgeschüttelt und die diversen Anbieter ergießen sich jetzt wie der Inhalt einer überschäumenden Colaflasche über das Land. Sobald auch der letzte Winkel bedeckt ist, ist es ausmit den sprudelnden Investitionen und Unternehmungen. Die Claims sind dann abgesteckt und aus meiner Sicht wird sich danach für Jahre und Jahrzehnte wenig an der dann vorliegenden Situation ändern. Einen Konkurrenzkampf mit parallel liegenden Netzen wird es höchstens in den von Anbietern umkämpften Großstädten geben.
  1. Lokale Energieversorger und private Initiativen, die alternativ das Internet in Lichtgeschwindigkeit zu den Menschen nach Hause bringen könnten, gibt es leider viel zu selten. Aus Hamminkeln etwa ist eine Initiative von Landwirten bekannt, die in Eigenregie und mit den vorhandenen Maschinen Glasfaserkabel bis zu ihren Höfen gelegt haben. Bei den Stadtwerken Bonn läuft ein Projekt, bei dem geprüft wird, ob und wie man Glasfaserleitungen durch vorhandene Trinkwasserrohre bis hinein ins Haus legen kann, ohne dabei Hygienestandards zu unterschreiten. Auch das wäre ein Ansatz, bei dem viel gewonnen wäre für Anbieter und Kunden.

Fazit

Vielen Bürgern, die bereits seit Jahren zufriedene Telekom-Kunden sind, mag ein Anbieterwechsel ein Graus sein. Vor allem, da mit der Deutschen Glasfaser ein eher unbekannter Anbieter um Kunden wirbt. Hier lohnt es sich aus den fünf vorgenannten Gründen den mutigen Schritt zu gehen, um Tür und Tor für die Zukunftstechnologie zu öffnen. In Hamminkeln in den Ortsteilen Hamminkeln, Ringenberg und Dingden hat der Wechsel bereits ohne Probleme geklappt und in naher Zukunft werden diese ländlichen Ortsteile besser ans Netz angebunden sein, als alle anderen Kommunen im Kreis Wesel.

 

Bildquelle: Groman123 via flickr, CC BY-SA 2.0

2 thoughts on “Internet per Glasfaser: 5 Gründe jetzt zuzugreifen

  1. Dietmar Junker says:

    Worauf warten wir noch? Lasst es uns alle gemeinsam anpacken.
    Wir brauchen jeweils 40% der Haushalte.
    Die Chance wird nicht wieder kommen.

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