Bürgermedien im neuen LMG: Das Glas ist mehr als nur halb voll!

Im Jahr 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor, während Microsoft das Betriebssystem Windows Vista an den Start brachte. Nicolas Sarkozy wurde französischer Präsident, Angela Merkel war schon Bundeskanzlerin und eine schwarz-gelbe Landesregierung in NRW beschloss, den Bürgerfunk im Land radikal zu beschneiden.

Sieben Jahre später diskutiert der Landtag NRW ein neues Mediengesetz, das sich auch dem Bürgerfunk widmet. Bereits im Vorfeld haben vor allem die Bürgerfunker ihre Wünsche formuliert und bezogen sich dabei zurecht auf das Versprechen der Medienpolitiker von vor sieben Jahren, die ehrenamtlichen Radiomacher wieder aus der Nische zu holen. Doch geschieht dies allein über eine Vorverlegung der Sendezeit?

Zum Start des Zwei-Säulen-Systems in NRW lag die noch bei 18 Uhr. Schwarz-Gelb verlegte den Start später auf 21 Uhr an Werktagen. Von dieser Uhrzeit ging auch der aktuelle Novellierungsentwurf der Landesregierung aus, den wir als Parlamentarier zu beraten hatten.

Hier regte sich nicht nur größter Widerstand von Seiten der Chefredakteure und Verleger, die in einem Vorziehen des Bürgerfunk-Programms wirtschaftliche Nachteile befürchteten. Auch der Deutsche Journalisten Verband (DJV) sah dies kritisch. Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt, ob die Sendezeit tatsächlich der alleine selig machende Punkt für das künftige Gelingen von Bürgermedien ist. Denn im Landesmediengesetz steckt viel mehr:

  • Die ehrenamtlichen Medienmacher sind künftig mit einem Sitz in der Medienkommission der Landesanstalt für Medien (LfM) vertreten. Damit wird in Zukunft ein Vertreter der Bürgermedien mit am Tisch sitzen, wenn Satzungen der LfM ausformuliert und Förderungen beschlossen werden.
  • Nicht zurück zur Minutenförderung – das war einhellige Meinung aller Beteiligten. Hingegen wird es künftig eine finanzielle Förderung für die technische Ausstattung der Bürgerfunkstudios geben. Hier sind dringend Investitionen nötig, um das Equipment auf den neuesten Stand zu bringen. Das kann jetzt passieren.
  • Um neue Verbreitungswege für Bürgermedien zu eröffnen, wird eine Internetplattform geschaffen, auf der Beiträge und Sendungen aller interessierten verbreitet werden können (vgl. nrwision). Schon jetzt experimentieren viele Bürgerfunker mit Podcasts und Internetstreams. Größter Hemmschuh wird hier weiterhin die noch immer ungeklärte Abgeltungsregelung mit der GEMA sein. Die LfM ist weiterhin gefragt, hier eine Übereinkunft zu erzielen, so dass Bürgermedien Musikbeiträge in ihren Sendungen veröffentlichen können. Darauf werden wir drängen.
  • Zu guter Letzt haben sich SPD und Bündnisgrüne im Landtag darauf geeinigt, die Sendezeit in Zukunft um eine Stunde vorzuverlegen auf 20 Uhr – sofern die Beteiligten vor Ort sich nicht auf etwas anderes (also einen früheren Termin) einigen. Über den Tag verteilt müssen die Lokalsender zusätzlich mit Jingles auf den Bürgerfunk am Abend hinweisen.

Ist das Glas nun halb voll, oder ist es halb leer? Für mich hat sich das leere Glas von vor sieben Jahren merklich gefüllt: Technikförderung, neue Internetplattform, avisierte Regelung bei den GEMA-Gebühren, Mitsprache in der Medienkommission, Programmhinweise auf das lineare Programm und seine Vorverlegung um eine Stunde – das alles sollte man nicht auf die Formel verkürzen, dass der Bürgerfunk nun nicht schon um 18 Uhr beginnt.

Vielmehr sehe ich auch die Chance, die sich eröffnet: Die Anbieter von redaktionellen Inhalten – ob nun bei den Bürgermedien oder im privaten bzw. öffentlich-rechtlichen Programm – werden sich zunehmend weg vom linearen hin zum Angebot On-Demand (auf Nachfrage) orientieren müssen. Um das größtmögliche Publikum zu erreichen, genügt es nicht, Special-Interest-Inhalte einmalig zur festen Sendezeit auf ein unvorbereitetes Publikum abzufeuern. Wohlgemerkt gilt das für alle Anbieter und nicht nur für den Bürgerfunk. Stattdessen sucht das Publikum genau das, was es interessiert.

Im Jahr 2014 sind mehr als 76 Prozent aller Deutschen im Internet unterwegs – fast die Hälfte der Bundesbürger auch schon mobil. Dafür nutzen sie unter anderem das iPhone, das bereits in der achten Version verfügbar ist. Demnächst kommen Wearables wie Handyuhren und Brillen hinzu. Die Welt ist mobiler geworden – redaktionelle Inhalte ebenso.

 

Bild von Holger.Ellgaard (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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